Sehenswert in Weilburg

Schlossanlagen

Schlosshof: Wappen

Bei den nachfolgenden Angaben zu den Wappen wird nicht auf die, aus heraldischer Sicht, teilweise fehlerhaften Wappendarstellungen eingegangen, die vor allem bei der Farbgebung einzelner Figuren oder Schildfelder vorhanden sind.

Betritt man den Schlosshof durch den Toreingang am Schlossplatz, befindet sich linker Hand der Stadtpfeiferturm. Während West- und Südflügel des Schlosses zwischen 1540 und 1548 errichtet worden waren, wurde der Stadtpfeiferturm zeitgleich mit dem Bau des Nordflügels zwischen 1568 und 1572 von dem Baumeister Ludwig Kempf errichtet. Damit ist auch der Zeitraum bekannt, in dem das über dem Turmzugang befindliche Wappen aus Sandstein gehauen wurde.

Weilburg, Allianzwappen, Nassau-Weilburg, Nassau-Dillenburg,  Pfeiferturm

Allianzwappen am Pfeiferturm

Regierender Herrscher zu dieser Zeit war Graf Albrecht von Nassau-Weilburg (1559-1593), mit seiner Gattin Anna von Nassau-Dillenburg. Am Stadtpfeiferturm sind die Wappen der beiden Häuser als Allianz- oder Ehewappen ausgeführt, mit der Folge, dass das (linke) Nassau-Weilburger Wappen gewendet dargestellt ist. Dadurch wechseln auch die Wappenfelder, das mittlere ausgenommen, ihre Plätze.

Im linken, dem Weilburger Wappen, ist in den zwei äußeren Wappenfeldern links oben und rechts unten (linkes Obereck, rechtes Untereck) der gekrönte, goldene (gelbe) Nassauische Löwe, in den beiden anderen äußeren Wappenfeldern (rechtes Obereck bzw. linkes Untereck) der gekrönte silberne (weiße) Löwe aus dem Wappen der Grafschaft Saarbrücken dargestellt.

Der gekrönte silberne Löwe fand Aufnahme in das Wappen Nassau-Weilburgs, als 1381 die zweite Gemahlin von Graf Johann I. von Nassau-Weilburg (1344-1371), Johanna Gräfin von Saarbrücken, Erbtochter Johannes II. von Saarbrücken, verstarb und damit ihr Erbe an den Sohn Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg (1371-1429) fiel.

in der Wappenfeldmitte (Herzstelle) des nunmehr Nassau-Saarbrücker Wappens findet sich das ehemalige Wappen der Herren von Merenberg. Dieses zeigt auf grünem Grund ein goldenes Andreaskreuz (bzw. Schragen) mit jeweils drei goldenen Kleeblättern in den sich ergebenden vier Feldern.

Die Aufnahme dieses Wappens dokumentiert die an Nassau-Weilburg gelangte Erbschaft Merenberg. Graf Johann I. von Nassau-Weilburg hatte im Jahr 1333 Gertrud von Merenberg geheiratet, die nach dem Tod ihres Vaters Hartrad VI. (1306-1328) Erbin der Grafschaft Merenberg geworden war. Johann I. führte somit den Titel Graf von Nassau-Weilburg und Herr zu Merenberg. Mit dem Tod Gertruds von Merenberg (ca. 1345-6.10.1350) kam der Merenberger Besitz an Nassau-Weilburg.

Im rechten, dem Dillenburger Wappen, sind oben (Schildhaupt) der Nassauer Löwe (linkes Obereck) und der Katzenellnbogener Löwe (rechtes Obereck) dargestellt. Die unteren beiden Plätze (Schildfuß) werden belegt vom Wappen Vianden (rechtes Untereck) und vom Diezer Wappen (linkes Untereck).

Das Allianzwappen ist als Vollwappen gestaltet, d. h., den Wappenschilden sind Helme, Helmzierden und Helmdecken beigefügt.

Nassau-Weilburger Wappen: In der Mitte der Helm der Herrschaft Merenberg mit einem Schirmbrett, belegt mit dem Schildbild. Links davon der Helm der Grafschaft Nassau mit einem zwischen zwei blauen Büffelhörnern sitzenden Löwen. Über der rechten Ecke des Wappenschilds befindet sich der Helm der Grafschaft Saarbrücken mit einem von Schwarz und Silber geteiltem Flügelpaar (geschlossener Flug).

Dillenburger Wappen: Der mittlere Helm ist der von Katzenellnbogen mit zwei Flügeln (offener Flug) in Schwarz, die mit je einer gefärbten Scheibe belegt sind. Der Dillenburger Helm auf der linken Seite hat zur Helmzier einen geschlossenen Flug in Schwarz. Dieser ist mit einem Schrägbalken belegt, darauf goldene Lindenblätter oder Herzen. Auf der rechten Seite findet sich der Diezer Helm, ebenfalls mit einem geschlossenen Flug in Schwarz als Helmzier, belegt mit einer gefärbten Platte, darauf die beiden Löwen wie im Wappenbild.

An den Seiten des Allianzwappens dienen zwei aufrecht stehende Löwen mit goldenen Ringen als Wappenhalter.

Weilburg, Wappen, Nassau-Weilburg

Wappen am Eingang der Alten Kanzlei

Im gleichen Zeitraum wie das oben beschriebene Wappen am Eingang des Pfeiferturms (1568-1572) entstand dasjenige über der Eingangstür zur ehemaligen Kanzlei. Unter dem Arkadengang des Nordflügels ist dies der östliche, ganz rechts liegende Zugang zum Nordflügel.

Wie am Pfeiferturm wird auch hier ein Vollwappen gezeigt, bestehend aus Schild, Helm, Helmdecke und Helmzier. Im Gegensatz zum Allianzwappen am Pfeiferturm ist hier nur ein Wappenschild dargestellt und entsprechend ist die Belegung der Felder gegenüber dem Allianzwappen gewendet und die Nassauischen und Saarbrücker Löwen auf den Plätzen des Schilds sind nach links gerichtet. Das Merenberger Wappen belegt auch hier wieder die Herzstelle des Schilds.

Der Schild wird eingerahmt von Helmen der Häuser Nassau, Merenberg und Saarbrücken, deren Helmdecken mit den Hauptfarben der jeweiligen Wappen belegt sind. Den Helmen sind wieder die jeweiligen Helmzierden beigefügt, wie sie sich auch im Vollwappen am Pfeiferturm finden.

Weilburg, Allianzwappen, Nassau-Weilburg, Uhrturm

Allianzwappen am Uhrturm

Ein weiteres in Sandstein gearbeitetes Wappen, wieder ein Allianzwappen, befindet sich über dem Zugang zum Uhrturm. Bei diesem Wappen ist die Jahreszahl seiner Fertigung angegeben: 1548. Zu dieser Zeit regierte Philipp III. von Nassau Weilburg (1523-1559), in dritter Ehe verheiratet mit Amalia von Isenburg-Büdingen.

Wie bei Allianzwappen üblich, sind auch hier die Figuren auf den Plätzen des Nassauer Wappens gewendet, womit dieses Wappen dem am Pfeiferturm entspricht. Helme und Helmzierden entsprechen ebenfalls dem Wappen am Pfeiferturm, wie auch dem unter den Arkaden des Nordflügels.

Das Wappen von Isenburg-Büdingen zeigt einen silbernen Schild, mit zwei waagrechten schwarzen Balken.

Die Helmzier des Isenburg-Büdinger Wappens zeigt ein schwarzes, geschlossenes Flügelkleinod, belegt mit goldenen Blättern.

Weilburg, Wappen, Nassau-Weilburg, Leiningen-Dagsburg-Hardenburg

Wappen am Geländer des Uhrturms

Im Mittelfeld des Geländers am Uhrturm ist ein medaillonartiges Wappen angebracht, das in der fürstlichen Eisengießerei Audenschmiede hergestellt wurde. Die umlaufenden Buchstaben nennen das Jahr und den Auftraggeber:

JOHANN ERNST G(raf) Z(u) N(assau) W(eilburg) V(nd) S(aarbrücken) H(err) Z(u)
L(ahr) W(eilnau V(nd) I(dstein) ANNO DOMINI 1702

Der Name des Regenten Graf Johann Ernst (1664-1719) ist damit genannt. Seine Gattin war Marie (Maria) Polyxena Gräfin von Leiningen-Dagsburg (Dachsburg)-Hardenburg. Gegenüber den Wappen aus dem 16. Jahrhundert weist das Wappen von 1702 weitere Felder aus, um die Nassau-Weilburg im Laufe der Jahre zugewachsenen Herrschaftsbereiche darzustellen.

Schon auf den Schilden der älteren Wappendarstellungen enthalten, sind die Wappen von Nassau, Saarbrücken und Merenberg. Anders als bei den älteren Wappen wurde der Nassauer Löwe dieses Mal an die Herzstelle (Schildmitte) gerückt und damit an den auch heraldisch richtigen Platz. Die aus den vorhergehenden Wappenbeschreibungen schon bekannten Wappen von Saarbrücken und Merenberg fanden ihren Platz oben links bzw. in der mittleren Reihe rechts.

Neu hinzugekommen sind die Wappen von

  • Saarwerder, obere Reihe Mitte, ein silberner Doppeladler auf schwarzem Grund,
  • Moers, obere Reihe rechts, ein schwarzer Balken auf goldenem Grund,
  • Weilnau, mittlere Reihe links, zwei hersehende rote Löwen, schreitend auf goldenem Grund,
  • Geroldseck-Lahr, untere Reihe links, ein roter Balken auf goldenem Grund,
  • Lahr-Malberg, untere Reihe rechts, ein schwarzer Löwe, aufrecht schreitend auf goldenem Grund.

Über dem Schild zu sehen sind, links beginnend, die Helme und Helmzierden von

  • Merenberg,
  • Moers, ein goldener Brackenrumpf mit schwarzem Halsband und dreigezackter Krone,
  • Saarbrücken,
  • Nassau; entsprechend dem heraldisch korrekt platzierten Wappen an der Herzstelle des Schilds, nimmt hier auch der Helm mit Helmzier den Mittelplatz ein;
  • Weilnau, mit goldgefärbter Scheibe belegter Flug; auf der Scheibe zwei schreitende Löwen,
  • Geroldeck-Lahr, Jünglingsrumpf mit goldenen Büffelhörnern statt der Arme und
  • Lahr-Mahlberg, schwarzer, aufrecht schreitender Löwe.

Im 13. Jahrhundert gingen Mahlberg und Lahr durch Erbheirat in den Besitz von Walter I. von Geroldseck über, der sich von da an Herr von Geroldseck-Mahlberg nannte. Nach dem Tod von Walter I. (1277) kam der Besitz an Lahr-Mahlberg und 1426 durch Erbschaft am Moers-Saarwerden. Durch Verpfändung (1442) und späteren Kauf (1497) kam eine Hälfte der Herrschaft Mahlberg an Baden, während die andere Hälfte bei Moers-Saarwerden verblieb, beim Aussterben dieser Linie 1527 an Nassau-Saarbrücken fiel und 1629 an Nassau-Weilburg. Damit fanden im Schild Nassau-Weilburgs die entsprechenden Wappen Aufnahme.

Die Weilnauer Grafen hatten sich um 1220 von der Grafschaft Diez abgespalten und teilten sich später in die Linien Alt- und Neuweilnau. Im späteren Verlauf waren Teile der Weilnauer Grafschaft durch Kauf, Tausch und Erbfälle an Nassau-Weilburg gelangt und seit 1631 in dessen vollständigem Besitz. Somit fand ab 1660 das Weilnauer Wappen Aufnahme in das der Herrschaft Nassau-Weilburg.

Weilburg, Allianzwappen

Allianzwappen am Eingang der Alten Hofstube

An der rechten Seite des Treppenaufgangs am Uhrturm befindet sich der Eingang zur Alten Hofstube, mit einem in Sandstein gearbeiteten Vollwappen, das demjenigen über dem Eingang am Uhrturm entspricht. Bei dieser Wappendarstellung fehlt allerdings die farbliche Ausgestaltung.


Quelle:
Neumann, Reinhold (12.11.2009):
"Einführung in die Wappenkunde" und "Die Wappen der Weilburger Schlossanlage".
Veranstaltung vom 12.11.2009. Weilburg.
Veranstalter: Weilburger Forum.