Sehenswert in Weilburg

Der Windhof

Das Hofgut von 1300-1713

Seit etwa 1300 bestand auf der Taunushöhe östlich des Weilburger Schlossfelsens ein landwirtschaftlicher Hof. Dessen Standort war wahrscheinlich etwas weiter östlich vom Windhof, dessen Bau 1714 begann. Der Hof befand sich vermutlich an der nordöstlichen Ecke des heutigen Wäldchens, das im Zusammenhang mit dem Schlossbau als Irrgarten angelegt wurde und die Flurbezeichnung "Auf dem alten Hof" trägt.

Dieser Hof wurde im Zusammenhang mit der Aufnahme eines Darlehens urkundlich erstmals im Jahr 1327 als "Winthusen" erwähnt und befand sich zu dieser Zeit im Besitz des Weilburger Bürgers Eckel, der sicherlich auch der Erbauer war. 

Anteilsrechte am Hof "Winthusen" wurden im Jahr 1369 an Graf Johann I. von Nassau-Merenberg (geb. um 1309, gest. 20.09.1371) verkauft und auch das Weilburger Walpurgisstift war in den Besitz von Anteilsrechten gelangt. Wahrscheinlich konnte aber noch Graf Johann I. alle Besitztitel an sich bringen, denn ab Anfang des 15. Jahrhunderts (1414) sind seine Nachfolger im Besitz des gesamten "Windhofs", der im Laufe der Jahre mit den Bezeichnungen "Wynthusin", "Winthusen", "Windhusen", "Wymtusin", "Winthausen" benannt wird. Der Name "Windhof" taucht erstmals 1671 auf und ab Anfang des 18. Jahrhunderts findet sich nur noch diese Bezeichnung). 

Bis zur Eigentumsübertragung an die Nassauer Grafen war der Hof durch einen Pächter bewirtschaftet worden, der auch dort wohnte. Nun wurde der Hof von Weilburg aus bewirtschaftet und in den gräflichen Wirtschaftsbetrieb eingegliedert. Zu diesem gehörten u. a. auch der Hof Wehrholz, Weinberge im Schellhof und im Haingarten, Wiesen im Panstiel und Selters und vor allem auch der Viehhof beim Schloss. Auf dem Hof verblieb die Schäferei und die Wohnung des Schäfers.

Bedingt durch die in Weilburg zentralisierte Hofbewirtschaftung und Verlegung von Ackerwirtschaft und Viehhaltung nach Weilburg, wurden die vorhandenen Gebäude den neuen Erfordernissen angepasst bzw. abgerissen. Die Schäferei entwickelte sich zu einem so wesentlichen Betriebsteil des Windhofs, dass für die gesamte Anlage z. B. 1480 die Bezeichnung "Schafhof" verwendet wurde.

Bis Mitte des 16. Jahrhunderts hielt sich der gräfliche Hof nur zeitweise in der Weilburger Burg auf, der bevorzugte Residenzort von Graf Philipp III. war Neuweilnau. Um 1540 erteilte  Graf Philipp jedoch den Auftrag die Burg zu einem Schloss im Stil der deutschen Renaissance umzubauen und er verlegte die Hofhaltung nach Weilburg.  Die dadurch gestiegenen Ansprüche an die gräflichen Wirtschaftsbetriebe und die Baumaßnahmen auf dem Burgberg erforderten auch Veränderungen der bisher in Weilburg zentralisierten Hofbewirtschaftung.

Die für die gräfliche Wirtschaft zuständige Kellereiverwaltung setzte ab 1540 einen Knecht als Hofmann auf dem Windhof ein, der auch dort seine Unterkunft erhielt und seinen Unterhalt in Naturalien empfing. Bereits 1543 wurde der Windhof aber für ein Drittel des jährlichen Ertrags verpachtet. Die Regelungen zur Nutzung des Windhofs wechselten aber mehrmals im Laufe der Jahre zwischen gräflicher Eigenbewirtschaftung durch besoldeten Hofmann und Verpachtung, wobei  die Schäferei von der Verpachtung ausgenommen wurde.

Etwa ab der Zeit zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs ging man zur dauernden Verpachtung über, setzte zeitweise aber auch wieder einen gräflichen Hofmann ein, wenn sich kein Pächter fand. Weiterhin bestand bei der Verpachtung eine starke Eigenbeteiligung der gräflichen Kellereiverwaltung die sich auch dadurch zeigte, dass der Viehbestand im Eigentum der Herrschaft blieb und bei einer Neuverpachtung wieder abgeliefert werden musste.

Die Pachtverhältnisse liefen über einen Zeitraum von drei Jahren. Der Grund dafür lag in der betriebenen Dreifelderwirtschaft. Dabei lag ein Feld brach oder trug nur geringe Anpflanzungen an Rüben oder Erbsen, auf dem zweiten Feld wurde Sommergetreide (Hafer, Gerste) und auf dem dritten Feld Wintergetreide (Roggen, Weizen) angebaut. Im nächsten und übernächsten Jahr wurde die Bestellung gewechselt, so dass im Lauf von drei Jahren jedes Feld einmal brach lag und sich der Boden regenerieren konnte.

1627 wurde erstmals ein über neun Jahre laufender Pachtvertrag geschlossen und auch die Schäferei dem Pächter übertragen. Dies war auch während der Verpachtung 1657-1663 der Fall, meist aber war die Schäferei vom Pachtvertrag ausgenommen.

Mit ziemlicher Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Windhof auch während der gesamten Zeit des Dreißigjährigen Krieges durchgehend bewirtschaftet wurde. Allerdings gingen die Erträge an Getreide, Gemüse, Fleisch und Wolle teilweise drastisch zurück oder blieben ganz aus. Und wenn auch die Stadt Weilburg von Einlagerungen verschont wurde, auf dem Land und natürlich auch auf dem Windhof hielten sich die durchziehenden Truppen schadlos und nahmen was erreichbar war. Die schlimmsten Jahre folgten nach der von den Evangelischen verlorenen Schlacht bei Nördlingen im Jahr 1634. In diesem Jahr wurde auch die Stadt Weilburg dreimal erobert und geplündert.

Durch die auch während des dreißigjährigen Krieges durchgängige Bewirtschaftung des Hofes sind schon bald nach Kriegsende wieder ansteigende Erträge festzustellen. Die Gebäude aber waren in den Kriegsjahren  stark geschädigt worden, so dass 1652 und 1653 umfangreiche Erneuerungsarbeiten ausgeführt wurden. Außer dem Hofhaus bestanden damals mehrere Rindvieh-, Schweine- und Schafställe und mehrere Scheuern. Umgeben war der ganze Hof von Hecken und Zäunen, durch die zwei Tore führten. 

Auch in Folgejahren wurden Neubau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt: z. B. ein neuer Schweinestall 1671, umfangreiche Reparaturarbeiten an allen Ställen und Scheuern, ein neues Schäferhaus 1697. Die Bewirtschaftung erfolgte weiterhin über Verpachtung und nur wenn kein Pächter zur Verfügung stand, trat wieder ein besoldeter Hofmann an dessen Stelle. Die Bauarbeiten zur neuen Hofanlage und dem Lust- und Sommerschloss begannen 1714. Der Hofbetrieb unterstand während dieser Bauzeit einer Verwalterin.