Sehenswert in Weilburg

Der Windhof

Das Hofgut ab 1719

Nach dem Tode von Graf Johann Ernst am 27.02.1719 verpachtete sein Nachfolger Graf Karl August den Windhof und gleichzeitig auch den Hof Wehrholz und den Grävenecker Hof mit Vertrag vom 04.04.1721 für 6 Jahre an Friedrich August Lade. Hierbei wurde sogar die niedere Gerichtsbarkeit in den Gutsbezirken dem Pächter  überlassen. Außerdem wurde auch die Schäferei mitverpachtet und dem Pächter das Recht zum Brennen von Branntwein zugestanden.

Trotz mancher Zwistigkeiten wurde der Pachtvertrag im Jahr 1727 für weitere sechs Jahre abgeschlossen,  ausgenommen war dieses Mal aber der Grävenecker Hof. 1733 pachtete Lade nur das eigentliche Windhofgelände für weitere drei Jahre. Zu dieser Zeit kam es zu einer Aufteilung der Pachtverhältnisse dadurch, dass die Viehhaltung ebenso wie die Gärten gesondert verpachtet wurden, während für das Land Eigenbewirtschaftung erfolgte. Die Aufsicht über den Hofbetrieb lag bei einem Hofverwalter.

Da die getrennten Verpachtungen und unterschiedlichen Zuständigkeiten doch nicht den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg hatten, erfolgte 1745 wieder eine Verpachtung des ganzen Hofes und des Landes auf 9 Jahre an Georg Fischer aus Biskirchen. Nach Ablauf von dessen Pachtzeit kam es zu einer Verpachtung auf 6 Jahre an den Tiergärtner Dünkelberg. Dessen nicht sehr erfolgreiche Bewirtschaftung führten bei der 1760 anstehenden Neuverpachtung dazu, dass bei der Entscheidung über den Pächter nicht allein die Höhe des gebotenen Pachtbetrags den Ausschlag gab, sondern auch die Aussicht das Gut in einem ordentlichen Zustand zu erhalten.

So wurde der gesamte Windhof auf 9 Jahre an den Ahäuser Schultheissen Karl Ludwig Wacker verpachtet, was sich wohl so bewährte, dass dessen erster Pachtvertrag nach Ablauf um 9 Jahre verlängert wurde.

Bei der Neuverpachtung 1778 bewarben sich Vertreter der Mennoniten um die Verpachtung an einen Glaubensbruder, Joseph Unzicker aus Wörth im Elsass. Mit diesem wurde der Pachtvertrag schließlich auch auf 12 Jahre abgeschlossen. Ausschlaggebend waren sicher die guten Erfahrungen der Hofverwaltung mit anderen Pächtern mennonitischen Glaubens auf den Höfen in Gräveneck, Merenberg, Löhnberg und Freienfels. Zudem fanden die Mennoniten Unterstützung bei der Regierung und der Fürst selbst hatte Verpachtungen an Mennoniten veranlasst und ermunterte diese zur Einrichtung von Mustergütern.

Die Verpachtung an Unzicker wurde dann auch verlängert, 1812 trat sein Sohn in den Pachtvertrag ein. Bei der Hofverwaltung kam man in diesen Jahren von der Verpachtung der Hofgüter als ganzes ab und Unzicker löste den bestehenden Vertrag 1823 vorzeitig, als er eine andere Pachtmöglichkeit hatte.

Mit dem Ausstieg von Unzicker ergab sich für die Gemeinde Ahausen die Chance zur Pacht des Landes, was für die landarme Gemeinde eine erhebliche wirtschaftliche Verbesserung darstellte. Nach Verzicht  auf sämtliche Gebäude des Windhofes, konnte der Schultheiss Engelbrecht von Ahausen für die Gemeinde Ahausen (sich selbst und 26 Einwohner) das Land auf 24 Jahre pachten. Trotz entgegengesetzter Interessen von anderen Seiten konnte 1847 die Gemeinde die Pacht erneut übernehmen und ebenso 1870 für weitere 18 Jahre und durch ministerielle Unterstützung erneut auch 1888.