Sehenswert in Weilburg

Der Windhof

Schloss- und Hofgebäude ab 1726

Weilburg, Lahn, Windhof, Südflügel vor dem Umbau

Windhof; Südflügel vor dem Umbau
(Quelle: Der Windhof, s. u. Quellenangaben)

Im Jahr 1726 war als letztes der zum Jagd- und Sommerschloss Windhof  gehörenden Gebäude das türkische Lusthaus auf der kleinen Insel des achteckigen Weihers fertig gestellt worden. Schon in den Jahren 1732-1735 wurde der nicht weit entfernte Tiergarten als Jagdpark ausgebaut und dort auch ein kleines Jagdschlösschen errichtet. So verlor das Schloss "Windhof" schon bald nach Vollendung seine Bedeutung für den Hof. Dazu kam, dass Fürst Karl August seine Hauptresidenz mittlerweile nach Kirchheim-Bolanden verlegt hatte, wo er eine rege Bautätigkeit entfaltete. Schon aus dem Jahr 1744 datiert ein Hinweis, dass der Schlossbau am Windhof unbewohnt ist.

So wundert es nicht, wenn 1749 ein Teil des Haupthauses an einen Damastweber vermietet wurde, der dort seine Webstühle installierte und bis 1754 Stoffe produzierte. Danach blieb das Gebäude wieder unbewohnt und - da geeignete Räume für die Unterbringung von Früchten fehlen - dient es so wie die leeren Stuben der Pavillons teilweise als Fruchtboden.

Bei der Instandhaltung der Gebäude beschränkte man sich auf die dringlichsten Reparaturen und viele Fensteröffnungen ließ man zumauern, um die Reparaturkosten der Läden zu sparen. Am 25. Januar 1775 brannte der Südturm ab, wurde 1775/1776 aber wieder aufgebaut.

Entsprechend wurden auch die Außenanlagen nicht mehr gepflegt und so wurde einem Pächter schon bald die Eichelmast im Irrgarten überlassen und der Irrgarten selbst wurde auch bald in einen Wald umgewandelt.

Die in den Kriegszeiten des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch die Weilburger Gegend durchstreifenden oder dort einquartierten Truppen trugen mit Plünderungen und Zerstörungen zum Schaden des Windhofs bei.

Bei dem maroden Bauzustand war es kein Wunder, dass die Hofverwaltung einen Abriss der gesamten Anlage nicht ungern gesehen hätte. Doch 1817 konnte man nach einigen Instandsetzungen das Erdgeschoss des Haupthauses an den Oberförster Habersang vermieten, wobei man auch hoffte, durch die Vermietung dem weiterem Verfall entgegen wirken zu können. Die Wohnung wurde auch von den nachfolgenden Oberförstern beibehalten.

Weilburg, Lahn, Windhof, Modell nach Grabenhorst für die Hochschule für Lehrerfortbildung

Windhof; Modell des umgebauten Windhofs und der für die Hochschule für Lehrerfortbildung geplanten neuen Gebäude nach dem Entwurf von Grabenhorst
(Quelle: Denkmaltopographie, s. u. Quellenangaben)

Neben dem Haupthaus war es nur ein Pavillon, der als Schäferhaus genutzt wurde. Die übrigen Pavillons, Scheuern und Ställe fanden nur teilweise Verwendung, waren zeitweise auch verpachtet oder wurden überhaupt nicht genutzt. Ab 1823 bestand auf dem Windhof auch eine Brauerei und es wurde eine Gastwirtschaft betrieben.

1835 war der Windhof von 200 Mann Militär belegt, da in der Hainkaserne Um- und Erweiterungsbauten im Gange waren.

Durch die Zunahme der Eisensteinförderung erfolgten ab 1830 Vermietungen an dort Beschäftigte. Dazu wurde auch das bisher an Ahausen verpachtete Schäferhaus renoviert und vermietet.

Insgesamt aber wurden am Windhof nur die drängendsten Reparaturarbeiten ausgeführt und alle Wohnungen wie auch die Wirtschaftsgebäude befanden sich in schlechtestem Zustand. Daran scheint sich auch in der Gründerzeit nichts geändert zu haben und während bzw. nach dem 1. Weltkrieg wurden die Zustände erst recht nicht besser.

1921 stellte der neue Oberförster Strauss dingende Anträge auf Umbaumaßnahmen, die mindestens das Haupthaus zu Wohnzwecken nutzbar machen sollten. Die dazu nötigen Veränderungen wurden aber vom Bezirkskonservator wegen des Denkmalschutzes abgelehnt. Zwar erkannte man die mangelnde Eignung des Hauses für die Einrichtung von Wohnungen an, stellte aber ebenso den baugeschichtlichen Wert des Hauses fest, der den erforderlichen Umbauten entgegen stehe.

Weilburg, Lahn, Gesamtansicht von Süden nach dem Umbau

Windhof; Gesamtansicht von Süden nach dem Umbau
(Quelle: Der Windhof, s. u. Quellenangaben)

1927 aber ergab sich die Möglichkeit sämtliche Gebäude des Windhofs, die Obst- und Gemüsegärten, den Teich mit der Insel, den Irrgarten und eine Wiese für die Nutzung als Schullandheim zu verpachten. Diese Verpachtung erfolgte auf 10 Jahre und noch im gleichen Jahr konnte der Schulbetrieb im Herbst mit zwei Klassen aufgenommen werden. Dafür waren vom Pächter "Schullandheim  der Oberrealschule Hagen e. V." erhebliche finanzielle Mittel und Arbeitsleistungen in kurzer Zeit investiert worden und für 8-9 Monate im Jahr befanden sich jetzt abwechselnd zwei Klassen mit drei Lehrern im Schullandheimaufenthalt auf dem Windhof.

Bereits 1934 aber musste das Schullandheim den Windhof wieder aufgeben. Die Hochschule für Lehrerfortbildung in Frankfurt sollte in ein ländliches Gebiet verlegt werden und Weilburg bot alle Voraussetzungen, darunter auch ein passendes Gelände zwischen Windhof und Frankfurter Straße für geplante Neubauten. Für den Windhof eröffnete sich die Chance einer Wiederherstellung unter Berücksichtigung der Vorgaben des Denkmalschutzes. Eine Änderung des Grundrisses, der Firsthöhen usw. war schon zu Beginn der Planungen ausgeschlossen worden. Für die Küchenanlage und Mensa wurde ein Neubau nahe am Windhof geplant. Die Bauleitung war Regierungsbaurat Grabenhorst übertragen, der auch die Erneuerungsarbeiten am Weilburger Schloss leitete.

Weilburg, Lahn, Windhof von Südosten, rechts das Hauptgebäude

Windhof von Südosten, rechts das Hauptgebäude

Die vorgesehene neue Verwendung, aber auch der bestehende Bauzustand, machte den fast vollständigen Abriss der Pavillons und der beiden Längsbauten erforderlich. Die eingeschossigen und mit einem Satteldach versehenen ehemaligen Wirtschaftsgebäude erhielten ein Mansardendach, dessen Firsthöhe aber mit dem vorherigen Zustand identisch war. Auch die Pavillons erhielten ein Mansardendach, dort wurde gleichzeitig auch die Geschosshöhe reduziert. Das Haupthaus erfuhr keine Veränderungen, es wurde außen wie innen weit gehend entsprechend dem Ursprungszustand restauriert. Nicht wieder hergestellt wurde das Wasserbecken des Innenhofs, das -mit Rasenboden belegt- als Thingplatz dienen sollte.

Am 01.07.1936 fand die offizielle Einweihung statt und 1938 war auch das Mensagebäude und eine Turnhalle am Hirschhäuser Weg errichtet worden. In diesem Jahr bezogen aber auch schon Soldaten den Südflügel und 1939 auch den Nordflügel. Später folgten militärische Schulungseinrichtungen.

Ende März 1945 wurde der Windhof von amerikanischen Truppen besetzt. Von der Besatzungsbehörde wurde der Windhof am 30.04.1947 wieder für die Lehrerfortbildung freigegeben. Das Pädagogische Institut nutzte den Windhof bis 1963. Heute dient der Windhof der Staatlichen Technikerschule als Wohnheim.