Sehenswert in Weilburg

Der Windhof

Gemälde von Seekatz

Der Ausbau des Hauptgebäudes am Windhof erfolgte erst nach dem Tod von Graf Johann Ernst im Auftrag von dessen Sohn und Nachfolger Graf Karl August von Nassau Weilburg (1719-1753, Fürst ab 1737). Dieser erteilte den Auftrag zur Ausgestaltung des Schlossgebäudes am Windhof an den 1706 von Graf Johann Ernst als Hofmaler bestallten Georg Friedrich Christian Seekatz.

Wahrscheinlich war es der Auftraggeber, auf dessen Wunsch Seekatz die Malereien mit Motiven aus der griechischen Mythologie schuf. Die sechs Ölbilder wurden auf Leinwand gemalt, drei der Motive sind in einem Oval dargestellt, die drei anderen werden von Halbkreisen und Rechtecken umrahmt.

Entstanden sind die Gemälde in den Jahren 1723-1726.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Eurydike mit zwei Begleiterinnen in dem Moment ihrer Flucht vor Aristaios, als sie von einer Schlange gebissen wird. Im Hintergrund ist eine Flusslandschaft dargestellt.

Eurydike, eine thrakische Baumnymphe, war die Gattin von Orpheus. Auf der Flucht vor Aristaios, der ihr nachstellte, trat sie auf eine Schlange, wurde von ihr gebissen und vom Schlangengift getötet. Orpheus erhielt die Erlaubnis Eurydike aus der Unterwelt zurückzuholen.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Orpheus, der im Hades die Leier spielt und singt. Ein Putto hält Lorbeerkränze für ihn und Eurydike bereit, während Eros, Gott der Liebe, bereit ist für einen Bogenschuss. Die Lorbeerkränze in Verbindung mit Eros stehen für den Sieg der den Tod überwindenden Liebe. Doch die Lorbeerkränze werden nicht überreicht und Eros wird seinen Pfeil nicht abschießen, weil Orpheus Persephones Bedingung nicht erfüllt.

Orpheus, Sänger und Heros aus Thrakien, der Sohn des Königs und Flussgottes Oiagros (auch Apollon wird als Vater gen.) und der Muse Kalliope, bezauberte mit seinem Gesang und dem Spiel auf der Leier Menschen und Tiere, Bäume und Felsen.
Nach dem Tod seiner geliebten Gattin Eurydike stieg Orpheus in die Unterwelt hinab und spielte so bewegend, dass eine große Schar Verstorbener weinend seinem Vortrag lauschte und die im Totenreich zur Buße verdammten während seines Spiels der auferlegten Arbeiten ledig waren. Persephone ließ sich von seinem Spiel und Gesang erweichen und gestattete ihm den Zutritt in die Unterwelt, um Eurydike wieder an die Oberwelt zu führen. Sie machte aber zur Bedingung, dass Orpheus sich auf dem Weg zur Oberwelt nicht nach ihr umwenden dürfe. Eurydike folgt dem Klang von Orpheus Leier, doch Orpheus dreht sich voller Zweifel um – und verliert Eurydike für immer.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Artemis in Begleitung von Apollon bei der Rast während einer Jagd. Der Pfeil tragende Eros ist zugegen und im Hintergrund sind zwei Jagdhunde zu sehen.

Artemis und Apollon sind Kinder des Zeus und der Letó. Artemis ist die jungfräuliche Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit, Apollon Gott der Jugend, der Musik, der Weissagung und der Heilkunst.
Artemis und Apollon töteten nicht lange nach ihrer Geburt gemeinsam den Giganten Tityos, der versucht hatte ihre Mutter zu missbrauchen und sie töteten die Kinder der Niobe, weil diese sich gerühmt hatte Letó überlegen zu sein. Die Geschwister waren eng befreundet und gingen häufig gemeinsam jagen.
Nach anderer Quelle soll Aktäon der Begleiter von Artemis auf dem Seekatz-Gemälde sein. In den überlieferten Sagen wird er allerdings als Jagdbegleiter von Artemis nicht genannt. Es gibt im Zusammenhang mit Artemis zwar unterschiedliche Überlieferungen zu Aktäon, allen gemeinsam ist jedoch, dass Aktäon von Artemis getötet wurde. Die bekannteste Version erzählt, dass Aktäon Artemis zufällig beim Bad mit ihren Nymphen erblickte. Daraufhin soll Artemis ihn in einen Hirsch verwandelt haben, der dann von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Leda in Begleitung eines Schwans (Zeus) vor einer Baumgruppe und einer Flusslandschaft im rechten Bilddrittel.

Leda war die Tochter des aitolischen Königs Thestios und heiratete Tyndareus, nachdem dieser von seinem Thron in Sparta vertrieben worden und nach Aitolien geflüchtet war. Sie war die Mutter von Helena, Klytaimnestra, der Dioskuren, Phoibe u. a. Von manchen ihrer Kinder soll Zeus der Vater gewesen sein, so auch von Helena, die nach einer Sagenversion aus einem Ei ausgebrütet worden war, nachdem der in einen Schwan verwandelte Zeus Leda beigewohnt hatte.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Aeneas nach der Schlacht um Troja, der seinen Vater Anchises auf den Schultern trägt, an der rechten Hand führt er seinen Sohn Ascanios. Die an seinen Vater übergebenen Hausgötter sind im Hintergrund zu dargestellt, darunter der mit einer Keule versehene Herkules.

Aeneas, ein trojanischer Held und Ahnherr der römischen Herrscher, war der Sohn des Königs Anchises und von Aphrodite. Die Göttin hatte sich in Anchises verliebt und vorgegeben eine Sterbliche zu sein. Als sie ihr Geheimnis jedoch enthüllte wurde Anchises unglücklich, wusste er doch, dass Beziehungen zwischen sterblichen Menschen und unsterblichen Göttern selten gut ausgehen. Aphrodite beruhigte ihn und versprach sein Kind Aeneas bei Nymphen aufziehen zu lassen, er dürfe aber nicht preisgeben wer die Mutter sei. Als Anchises das Geheimnis aber doch ausplauderte traf Zeus ihn mit einem Blitz, der Anchises für sein restliches Leben zum Krüppel machte. Mit Kreusa hatte Anchises den Sohn Ascanios. Als Troja verloren war riet Aphrodite ihrem Sohn Aeneas die Stadt zu verlassen. Aeneas folgt dem Rat und rettete dabei auch seinen von Zeus‘ Blitz gelähmten Vater, indem er ihn auf seinen Schultern aus dem brennenden Troja trug.

Weilburg, Lahn, Deckengemälde von Seekatz im Windhof

Deckengemälde von Seekatz im Windhof, Quelle: Verfasser

Das Gemälde zeigt Hera und Ares, gekleidet in barocke Gewänder. Hera zur Seite steht der Pfau, ein ihr geweihtes Tier. Ares ist mit Schild und Speer versehen. Am Himmel ist über dem Pfau ein Putto mit brennender Kriegsfackel dargestellt.

Hera ist die Himmelskönigin und Erdgöttin der griechischen Sagenwelt, Schutzgöttin von Ehe und Geburt. Ihre Eltern sind Kronos und Rea und damit auch die Schwester des Zeus, dessen Gattin sie später wurde. Ihm gebar sie zwei Töchter und den Sohn Ares (Hephaistos soll sie allein gezeugt haben, als Rache dafür, dass Zeus Athene ebenfalls allein hervorbrachte. Ares ist der Gott des Krieges. Er heiratete nicht, hatte aber eine große Anzahl Nachkommen aus Affären mit Göttinnen und sterblichen Frauen.