Sehenswert in Weilburg

Der Windhof

Daten zur Geschichte

Wesentliche Ereignisse in der Geschichte des Windhofs mit Jahr und Kurzbeschreibung.
JahrEreignis
Um 1300 Vermutliche Bauzeit eines Hofes, wahrscheinlich durch den Weilburger Bürger Eckel. Standort evtl. an der nordöstlichen Ecke des heutigen Wäldchens.
1327 Erstmals Erwähnung des Hofes unter dem Namen „Winthusen“ im Zusammenhang mit einem Darlehen. (Spätere Bezeichnungen "Windhusen", "Wymtusin", "Winthausen").
1369 Verkauf von Anteilsrechten am Hof "Winthusen" an Graf Johann I. von Nassau-Weilburg (geb. um 1309, gest. 20.09.1371). Anteilsrechte liegen auch beim Wal-purgisstift. Die Bewirtschaftung des Hofes erfolgt durch Pächter.
1414 Graf Philipp I. ist alleiniger Eigentümer des Windhofs; evtl. konnte sein Vater schon alle Anteilsrechte erwerben. Rechte des Walpurgisstifts beschränken sich auf einen Rodungszins. Mit dem Landesherrn als alleinigem Eigentümer des Windhofs wird die Verpachtung aufgegeben und der Hof in die Eigenbewirtschaftung des gräf-lichen Wirtschaftsbetriebs eingegliedert.
1480 Die Schafthaltung ist ein so wesentlicher Betriebsteil des Windhofs, dass für diesen die Bezeichnung „Schafhof“ verwendet wird.
Um 1540 Mit der Errichtung des Renaissanceschlosses verlegt Graf Philipp III. die Hofhaltung von Neuweilnau nach Weilburg. Der Windhof erhält als Wirtschaftsbetrieb neue Bedeutung. Als Hofmann wird ein Knecht eingesetzt, der dort auch Unterkunft erhält und seinen Unterhalt in Naturalien empfängt.
1543 Für ein Drittel des jährlichen Ertrags wird der Windhof wieder verpachtet. Die Hofnutzung wechselt aber mehrmals im Laufe der Jahre zwischen gräflicher Eigenbewirtschaftung durch besoldeten Hofmann und Verpachtung, wobei die Schäferei von der Verpachtung ausgenommen ist. Aufgrund der Dreifelderwirtschaft laufen Pachtverträge über drei Jahre, später teilweise auch über neun Jahre.
17. Jhdt. Sehr wahrscheinlich wird der Windhof während der gesamten Zeit des Dreißigjährigen Krieges bewirtschaftet. Allerdings gehen die Erträge teilweise drastisch zurück oder bleiben ganz aus. 1636 steht der Hofbetrieb unter der Fürst Lobkowitzschen Kellereiverwaltung. Die Gebäude werden in den Kriegsjahren stark geschädigt, sodass 1652 und 1653 umfangreiche Erneuerungsarbeiten ausgeführt werden. Außer dem Hofhaus bestehen in dieser Zeit mehrere Rindvieh-, Schweine- und Schafställe und mehrere Scheuern. Umgeben ist der ganze Hof von Hecken und Zäunen, durch die zwei Tore führen.
Auch in Folgejahren werden Neubau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt: z. B. ein neuer Schweinestall 1671, umfangreiche Reparaturarbeiten erfolgen an allen Ställen und Scheuern, ein neues Schäferhaus wird 1697 gebaut. Die Bewirtschaftung erfolgt weiterhin über Verpachtung und nur wenn kein Pächter zur Verfügung steht, tritt wieder ein besoldeter Hofmann an dessen Stelle.
1713 Der Landesherr Graf Johann Ernst (1675-1719, bis 1683 unter Vormundschaft) strebt, dem Zeitgeist des Barock entsprechend, die Errichtung eines ländlichen Lust- und Sommerschlosses an. Die Bauleitung für den Windhof wird, ebenso wie bei der Stadterneuerung, dem Hofbaumeister Johann Ludwig Rothweil übertragen.
Die Wasserversorgung wird durch eine hölzerne Wasserleitung gesichert. Das Wasser wird von den Quellen des Birkenkopfes nördlich von Kubach und einem Brunnen in den Wiesen des (inzwischen längst verschwundenen) Dorfes Pfaffenhausen herangeführt.
1714 Die Ausschachtungsarbeiten für die Keller und Fundamente der beiden Seitenflügel und der vier Pavillonbauten beginnen.
1715 Die vordere Brüstungsmauer wird aufgeführt.
1716 Das Mauerwerk wird hochgezogen, Gesims- und Deckenbalken montiert und auch der Weiher mit seiner Einfassung und dem gestampften Lehmboden fertiggestellt. Für die Enten- und Gänsehaltung werden zweistöckige Ställe ("Entenlogis") mit einer Länge von 600 Schuh (= ca. 180 m) gefertigt und rund um den Weiher aufgebaut.
Begonnen wird auch mit dem Bau des Hauptgebäudes, dessen Fertigstellung jedoch nicht vorrangig betrieben wird.
1718 Bei den für die Hofwirtschaft dienenden Längsbauten und den Pavillontürmen wird der im Vorjahr begonnene Innenausbau vollendet.
Der Innenausbau des Hauptgebäudes wird begonnen.
1719 Nach dem Tode von Graf Johann Ernst am 27.02.1719 tritt dessen Sohn Graf Karl August die Regierung an (1719-1753, Fürst ab 1737). Der sehr viel sparsamere Graf Karl August schränkt die Ausgaben der Hofhaltung stark ein und entlässt auch den Hofbaumeister Rothweil aus seinen Diensten. Diese Entlassung und die Sparmaßnahmen führen zu einem Stopp der Baumaßnahmen am Windhof.
1720/21 Der hinter dem Haupthaus angelegte Irrgarten wird mit einem Plankenzaun umgeben.
1721 Der Windhof, gleichzeitig auch der Hof Wehrholz und der Grävenecker Hof werden für 6 Jahre an Friedrich August Lade verpachtet. Dabei wird auch die niedere Gerichtsbarkeit in den Gutsbezirken dem Pächter überlassen. Mitverpachtet wird außerdem die Schäferei und zugestanden wird dem Pächter das Recht zum Brennen von Branntwein.
1722 Die Arbeiten am Haupthaus werden wieder aufgenommen.
Fertiggestellt wird der achteckige Weiher mit einer Insel in der Mitte, die über eine Brücke erreichbar ist.
1723 Karl August lässt auf der Insel ein türkisches Lusthaus errichten.
1726 Fertigstellung des Hauptgebäudes und des türkischen Lusthauses.
1727 Der Pachtvertrag wird für weitere sechs Jahre verlängert, ausgenommen ist dieses Mal aber der Grävenecker Hof.
1733 Lade pachtet nur das eigentliche Windhofgelände für weitere drei Jahre. Die Pachtverhältnisse werden aufgeteilt. Viehhaltung und Gärten werden gesondert verpachtet, für das Land erfolgt Eigenbewirtschaftung. Die Aufsicht über den Hofbetrieb liegt bei einem Hofverwalter.
1735 Der Windhof verliert an Bedeutung, nachdem das Jagdrevier „Tiergarten“ mit einem darin errichteten Jagdpavillon fertiggestellt ist. Hinzu kommt, dass Fürst Karl August seine Residenz nach Kirchheim-Bolanden verlegt.
1743/45 Während des österreichischen Erbfolgekriegs wird der Windhof wie auch das Land darum in Mitleidenschaft gezogen.
1744 Das Schlossgebäude wird als nicht bewohnt bezeichnet.
1746 Es erfolgt wieder eine Verpachtung des gesamten Hofes und des Landes auf 9 Jahre an Georg Fischer aus Biskirchen.
1749 Ein Teil des Haupthauses wird an einen Damastweber vermietet. Für die Stoffproduktion werden Webstühle im Gebäude installiert.
1754 Die Damastproduktion wird aufgegeben, das Gebäude steht leer. Teile des Gebäudes wie auch Stuben der Pavillonbauten dienen zur Lagerung von Früchten. Man beschränkt sich auf die dringlichsten Reparaturen und lässt viele Fensteröffnungen zumauern, um die Reparaturkosten der Läden zu sparen. Auch die Außenanlagen werden nicht mehr gepflegt und so man überlässt schon bald einem Pächter die Eichelmast im Irrgarten. Der Irrgarten selbst wird in einen Wald umgewandelt.
Das Hofgut wird auf 6 Jahre an den Tiergärtner Dünkelberg verpachtet.
1756/63 Im Siebenjährigen Krieg nutzen durchziehende Truppen den Windhof als Quartier, Felder werden verwüstet, Feldfrüchte vernichtet.
1760 Schlechte Erfahrungen mit vorherigen Pächtern führen dazu, dass bei der Auswahl des neuen Pächters nicht allein die Höhe des gebotenen Pachtbetrags den Ausschlag gibt, sondern auch die Aussicht das Gut in einem ordentlichen Zustand zu erhalten. Die Neuverpachtung geht für neun Jahre an den Ahäuser Schultheißen Karl Ludwig Wacker.
1769 Der Pachtvertrag mit Wacker wird um neun Jahre verlängert.
1775 Am 25. Januar brennt der Südturm ab, wird aber wieder aufgebaut.
1778 Vertreter der Mennoniten bewerben sich um die Verpachtung an ihren Glaubensbruder, Joseph Unzicker aus Wörth im Elsass. Mit diesem wird der Pachtvertrag schließlich auf zwölf Jahre abgeschlossen.
Ausschlaggebend waren sicher die guten Erfahrungen der Hofverwaltung mit anderen Pächtern mennonitischen Glaubens auf den Höfen in Gräveneck, Merenberg, Löhnberg und Freienfels. Zudem fanden die Mennoniten Unterstützung bei der Regierung und der Fürst selbst hatte Verpachtungen an Mennoniten veranlasst und ermunterte diese zur Einrichtung von Mustergütern.
1792 Im Revolutionskrieg kommt es auch im Bereich von Windhof und Tiergarten zu Kampfhandlungen. Truppen unter dem Kommando von General Custine besetzen vorübergehend den Windhof wie die Stadt Weilburg.
1796 Erneut werden der Windhof und die Stadt von französischen Truppen besetzt. Die Kriegsschäden an den Gebäuden und die Plünderungen im Hofgut gehen weit über das Ausmaß der Schäden von 1792 hinaus.
19. Jhdt. Insgesamt werden am Windhof nur die drängendsten Reparaturarbeiten ausgeführt und alle Wohnungen wie auch die Wirtschaftsgebäude befinden sich in schlechtestem Zustand. Daran ändert sich auch nichts in der Gründerzeit und während bzw. nach dem 1. Weltkrieg werden die Zustände erst recht nicht besser.
1812 In den mit Joseph Unzicker verlängerten Pachtvertrag tritt dessen Sohn ein.
1813/15 Im Verlauf der Befreiungskriege wird der Windhof weiter in Mitleidenschaft gezogen.
1817 Die Hofverwaltung ist wegen des immer weiter verfallenden Baus einem Abriss nicht abgeneigt. Doch nach einigen Instandsetzungen kann das Erdgeschoss des Haupthauses an den Oberförster Habersang vermietet werden. Durch die Vermietung hofft man auch dem weiteren Verfall entgegenwirken zu können. Die Wohnung wird auch von Habersangs Nachfolgern beibehalten.
Neben dem Haupthaus wird nur ein Pavillon genutzt, dieser dient als Schäferhaus. Die übrigen Pavillons, Scheuern und Ställe sind nur sind nur zeitweise verpachtet, erfahren aber überwiegend gar keine Nutzung.
1823 Es besteht eine Brauerei und eine Gastwirtschaft wird betrieben.
Unzicker löst den bestehenden Vertrag vorzeitig, als er eine andere Pachtmöglichkeit hat.
Mit dem Ausstieg von Unzicker ergibt sich für die Gemeinde Ahausen die Chance zur Pacht des Landes, was für die landarme Gemeinde eine erhebliche wirtschaftliche Verbesserung darstellt. Nach Verzicht auf sämtliche Gebäude des Windhofes, kann der Ahäuser Schultheiß Engelbrecht für die Gemeinde Ahausen (sich selbst und 26 Einwohner) das Land auf 24 Jahre pachten.
1830 Durch die Zunahme der Eisensteinförderung erfolgen ab 1830 Vermietungen an die im Abbau Beschäftigten. Dazu wird auch das bisher an Ahausen verpachtete Schäferhaus renoviert und vermietet.
1835 Der Windhof ist mit 200 Mann Militär belegt, da in der Hainkaserne Um- und Erweiterungsbauten im Gange sind.
1847 Trotz entgegengesetzter Interessen von anderen Seiten kann die Gemeinde Ahausen die Pacht erneut übernehmen.
1870 Der Pachtvertrag mit der Gemeinde Ahausen wird um weitere 18 Jahre verlängert und durch ministerielle Unterstützung erneut auch 1888.
1921 Oberförster Strauss stellt dringende Anträge auf Umbaumaßnahmen, die mindestens das Haupthaus zu Wohnzwecken nutzbar machen sollen. Die dazu nötigen Veränderungen werden aber vom Bezirkskonservator wegen des Denkmalschutzes abgelehnt. Zwar erkennt man die mangelnde Eignung des Hauses für die Einrichtung von Wohnungen an, stellt aber ebenso den baugeschichtlichen Wert des Hauses fest, der den erforderlichen Umbauten entgegen stehe.
1927 Es ergibt sich eine Nutzungsmöglichkeit für sämtliche Gebäude des Windhofs. Die Oberrealschule Hagen pachtet die Windhofgebäude mit Obst- und Gemüsegärten, den Teich mit der Insel, den ehemaligen Irrgarten und einer Wiese zur Nutzung als Schullandheim. Die Verpachtung erfolgt auf 10 Jahre und noch im Herbst des gleichen Jahres wird der Schul-betrieb mit zwei Klassen aufgenommen. Für acht bis neun Monate im Jahr befinden sich abwechselnd zwei Klassen mit drei Lehrern zum Schullandheimaufenthalt auf dem Windhof.
1934 Die Oberrealschule Hagen muss das Schullandheim Windhof zugunsten der Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt aufgeben. Dem Windhof eröffnet sich die Chance einer Wiederherstellung unter Berücksichtigung der Vorgaben des Denkmalschutzes. Für die Küchenanlage und Mensa sind Neubauten nahe dem Windhof geplant, dazu weitere neue Bauten für den Hochschulbetrieb. Die Bauleitung erhält Regierungsbaurat Karl Grabenhorst, der auch die Erneuerungsarbeiten am Weilburger Schloss leitet.
1936 Nach umfangreichen Bau- und Renovierungsarbeiten wird der Windhof am 01. Juli seiner Bestimmung als Hochschule für Lehrerbildung übergeben.
1938 Das Mensagebäude ist fertiggestellt und die Turnhalle gebaut. Bei dieser fehlt jedoch noch der Innenausbau.
Ab Oktober wird der Südflügel vom Bataillon eines Infanterieregiments belegt.
1939 Der Nordflügel wird ebenfalls vom Bataillon eines Infanterieregiments belegt.
1939-41 Landesschützen belegen den Windhof, darunter auch das Mensagebäude.
1941-43 Der Windhof wird durch eine Unteroffiziersvorschule genutzt.
1943-44 Der Windhof wird durch eine Unteroffiziersschule genutzt.
1944-45 Der Windhof wird durch eine Fahnenjunkerschule genutzt.
1945 Im Frühjahr schlägt ein Artilleriegeschoss in der Mitte des Südflügels ein.
Ende März wird der gesamte Windhof von amerikanischen Truppen besetzt. Im Mai wird auch das Hauptgebäude von Deutschen geräumt.
1947 Am 30. April gibt die Besatzungsbehörde den Windhof wieder für die Lehreraus- und fortbildung frei und so werden die dortigen Räumlichkeiten vom 1945 gegründeten „Pädagogischen Institut Weilburg“ genutzt.
1954 Der Ausbau der Turnhalle ist beendet und diese wird ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben.
1963 Das „Pädagogische Institut Weilburg“ wird aufgelöst und der Windhof von der „Staatlichen Technikerschule Weilburg“ (seit 2009 Technikakademie Weilburg) genutzt. Er dient seitdem als Wohnheim (ca. 150 Einzelzimmer) für die Studierenden dieser Fachschule.
1968 Am 12. Juli bricht im Obergeschoss des nördlichen Mittelbaus ein Brand aus, größerer Schaden wird jedoch durch die Feuerwehren verhindert.