Zeppelin LZ V / Z II

Zeppelinstrandung Z II in Weilburg 1910

Strandung bei Göppingen am 31.05.1909

Fast 11 Monate vor der Zerstörung des Z II am Webersberg in Weilburg, strandete das Luftschiff, zu dieser Zeit noch unter der Bezeichnung LZ V, in der Nähe von Göppingen an einem Birnbaum. Dieser Unfall ereignete sich auf der Rückfahrt von seinem Dauerflug zum Heimathafen Friedrichshafen am 31. Mai 1909. Bei der Strandung gab es keine Verletzten und der Schaden am Luftschiff wurde in einer Notreparatur am Unfallort soweit behoben, dass LZ V aus eigener Kraft Friedrichshafen erreichen konnte.

Die Göppinger Stadtzeitung "Geppo - Der Stadtbote" berichtete darüber in ihrer Ausgabe 19, 4. Jahrgang am 12. Mai 1999.

Merk - würdig: Göppinger Geschichten 1900 - 2000

Als der Zeppelin im Birnbaum hing
An Pfingsten 1909 verunglückte das Luftschiff LZ 5 bei Göppingen

"Navigationsirrung auf einen Baum" - derart trocken umschrieb Graf Zeppelin das Malheur, das ihn und seine Crew am 31. Mai 1909 zwischen Göppingen und Jebenhausen oberhalb des Waldeckhofs ereilte. Die nüchterne Mitteilung ging als Telegramm an Kaiser Wilhelm II., der ihr entnehmen konnte, dass sein Warten auf die Ankunft des Zeppelins in Berlin wohl vergeblich war.

Was war geschehen? Am 29. Mai 1909 stieg von der schwimmenden Halle auf dem Bodensee das Luftschiff LZ 5 zu einer längeren Fahrt auf. Das öffentliche Interesse war groß, denn das Luftschiff war mit Hilfe der über 6 Mio. Mark großen Volksspende gebaut worden, die nach dem Zeppelin-Unglück bei Echterdingen im August 1908 zusammengekommen war.

An Bord des LZ 5 befanden sich Graf Zeppelin, die Ingenieure Dürr und Stahl, die Kapitäne Hacker und Lau und drei Monteure. Die Fahrt, deren Ziel unbestimmt blieb, führte über Ulm nach Nördlingen und Nürnberg. Als das Luftschiff seinen Kurs nach Plauen und Leipzig fortsetzte, verdichtete sich das Gerücht, Graf Zeppelin plane eine Stippvisite beim Kaiser in Berlin. Auf der Höhe von Bitterfeld wurde jedoch umgekehrt. Später erklärte Graf Zeppelin diesen Entschluss mit der Hoffnung, ohne Halt wieder Friedrichshafen erreichen zu können. Nach einem Zickzackkurs in der Nacht schwebte am Morgen des 31. Mai, des Pfingstmontags, das Luftschiff über Göppingen und setzte zur allgemeinen Überraschung zur Landung an - die heftig missglückte. Der Zeppelin stieß auf die Krone eines einzeln stehenden Birnbaums auf der Höhe zwischen Göppingen und Jebenhausen. Wie Ingenieur Dürr später erklärte, hatten Übermüdung und Unaufmerksamkeit nach über 37stündiger Fahrt zu dem Unfall geführt. Zu dem Halt war man wegen Treibstoffmangel gezwungen. Von Zeller & Gmelin in Eislingen hoffte man den benötigten Nachschub zu erhalten. Bald war ganz Göppingen auf den Beinen. Tausende Neugierige trafen mit Zügen ein und eilten zum Schauplatz. Arbeiter der Firmen Schuler und Kübler reparierten die eingedrückte Spitze, so dass das Luftschiff die Form einer abgebundenen Blutwurst annahm.

Aber es war wieder fahrtüchtig. Unter einem "kolossalem Sturm von Hoch und Hurra" erhob sich das Luftschiff am 1. Juni, nahm Fahrt auf und erklomm mit Ach und Krach und unter Bodenberührung die Alb. Den Göppinger Schaulustigen blieben die Erinnerungen an einen glücklich ausgegangenen Unfall - und viele Souvenirs: Manch einer bewahrte Stöcke des zurückgebliebenen Aluminiumgestänges und Fetzen der Hülle auf. Der Birnbaum wurde gefällt und an einen Stuttgarter Zeppelin-Fan verkauft. Der ließ daraus Tische, Stühle, Weinglasuntersetzer, Schnupftabakdosen, Billardbälle, Stopfeier und vieles mehr herstellen und verhalf so der Zeppelin-Verehrung zu neuem Auftrieb.
Archiv und Museen: Dr. Karl-Heinz Rueß.

Weilburg, Lahn, Zeppelin LZ V, Unfall bei Göppingen, nach Notreparatur

Das an der Unfallstelle bei Göppingen notdürftig mit Hopfenstangen an der Spitze reparierte Luftschiff LZ V